Versteckte tierische Zutaten: Diese E-Nummern sind nicht vegan

Erdbeerkuchen auf einem weißen Teller.

Kennst du das? Du stehst im Supermarkt, drehst eine Packung Fruchtgummis um und liest dich durch eine Zutatenliste, die eher nach Chemieunterricht klingt als nach Naschen. Irgendwo zwischen Glukosesirup und Säuerungsmittel taucht dann ein „E 120“ oder „E 904“ auf, und du fragst dich, ob da gerade ein Tier mit im Spiel war. Mir ist das am Anfang meiner veganen Zeit ständig passiert, und ehrlich gesagt war ich oft überrascht, wo sich überall tierische Bestandteile verstecken: im glänzenden Überzug von Süßigkeiten, auf der Schale von Obst oder im Vitamin-D-Präparat.

Die gute Nachricht ist, dass du kein Chemiestudium brauchst, um den Durchblick zu behalten. In diesem Artikel zeige ich dir, was E-Nummern eigentlich sind, welche davon (fast) immer tierisch sind, wo es „kommt drauf an“ heißt und welche Apps dir den Einkauf deutlich leichter machen. Am besten speicherst du dir die Liste gleich ab, dann hast du sie beim nächsten Einkauf griffbereit.

Was sind E-Nummern überhaupt?

Hinter jeder E-Nummer steckt ein Lebensmittelzusatzstoff, der in der EU geprüft und zugelassen wurde. Die Nummern wurden eingeführt, damit oft sperrige chemische Namen einheitlich und für alle verständlich gekennzeichnet werden können. Nach dem „E“ folgt meist eine dreistellige Zahl, die einem festen System folgt: E 100 bis E 180 sind zum Beispiel Farbstoffe, E 200 bis E 297 Konservierungsstoffe. [1]

Zusatzstoffe sorgen dafür, dass Lebensmittel länger halten, appetitlicher aussehen, eine bestimmte Konsistenz bekommen oder sich besser verarbeiten lassen. Damit ein Stoff überhaupt eingesetzt werden darf, muss er gesundheitlich unbedenklich und technologisch notwendig sein, und er darf dich beim Einkauf nicht täuschen. [1][2] Aktuell sind in der EU rund 320 solcher Zusatzstoffe zugelassen. [3]

E-Nummern sind also nicht automatisch etwas Schlechtes. Viele davon kommen sogar in der Natur vor, etwa Vitamin C, das als Antioxidationsmittel eingesetzt wird. [1] Für uns Veganer:innen ist aber eine ganz andere Frage spannend: Woraus wird der Stoff eigentlich gewonnen?

Warum du es der Zutatenliste nicht immer ansiehst

Genau hier wird es knifflig. Hersteller müssen bei Zusatzstoffen, Aromen und zugesetzten Vitaminen bisher nicht angeben, ob diese pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind. [4] Dazu kommen Stoffe, die gar nicht auf der Packung auftauchen müssen: zum Beispiel Zusatzstoffe, die über eine Zutat ins Produkt gelangen und dort keine Wirkung mehr haben, oder Hilfsstoffe, die bei der Herstellung eingesetzt und danach wieder entfernt werden. Ein Klassiker ist Gelatine, die Trübstoffe in Säften bindet und anschließend wieder herausgefiltert wird. [4]

Und falls du dich fragst, warum das Wort „vegan“ auf einer Verpackung nicht immer dasselbe bedeutet: Es gibt weder in Österreich noch in Deutschland oder auf EU-Ebene eine rechtlich verbindliche Definition dafür. [5]

Diese E-Nummern sind (fast) immer tierisch

Wenn du einen dieser Zusatzstoffe auf der Zutatenliste entdeckst, kannst du davon ausgehen, dass das Produkt nicht vegan ist.

  • E 120 – Karmin (Cochenille): Ein kräftig roter Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. [4] Du findest ihn zum Beispiel in roten Süßigkeiten, Getränken oder Wurstwaren. [6]
  • E 234 – Nisin: Ein Konservierungsstoff, für dessen Herstellung Bakterien auf Milch gezüchtet werden. [6]
  • E 901 – Bienenwachs: Wird als Überzugsmittel verwendet, unter anderem auf der Schale von frischem Obst wie Äpfeln, Birnen oder Zitrusfrüchten. [8]
  • E 904 – Schellack: Ein Glanz- und Überzugsmittel aus dem Sekret der Lackschildlaus. [6] Er sorgt für die schön glänzende Oberfläche, die wir von vielen Süßigkeiten kennen.
  • E 966 – Lactit: Ein Süßungsmittel, das aus Milchzucker hergestellt wird und vor allem in zuckerfreien Süßigkeiten vorkommt. [6]
  • E 1105 – Lysozym: Ein Konservierungsstoff, der aus Hühnereiklar gewonnen wird. [6]

Vielleicht vermisst du in dieser Liste die Gelatine. Die ist natürlich immer tierisch, denn sie wird aus Haut, Sehnen, Bändern oder Knochen von Tieren gewonnen. Weil sie rechtlich als Zutat und nicht als Zusatzstoff gilt, hat sie aber keine E-Nummer und muss mit ihrem Namen auf der Packung stehen. [7] Die Bezeichnung „E 441“, die du in manchen Listen noch findest, stammt also aus älteren Aufstellungen.

Eine Flasche Milch.
Bienenwachs als Überzugsmittel für Obst wie Äpfeln, Birnen oder Zitrusfrüchten verwendet

Diese E-Nummern können tierisch sein

Bei den folgenden Zusatzstoffen hängt es vom Hersteller ab. Sie können pflanzlich, synthetisch oder tierisch sein, und auf der Verpackung siehst du den Unterschied leider nicht.

  • E 322 – Lecithin: Ein Emulgator, der aus Soja oder Sonnenblumen, aber auch aus Eigelb stammen kann. [6] Steht ausdrücklich „Sojalecithin“ oder „Sonnenblumenlecithin“ drauf, bist du auf der sicheren Seite.
  • E 422 – Glycerin: Kann aus pflanzlichen, aber auch aus tierischen Fetten hergestellt werden. [6]
  • E 470 bis E 495 – Emulgatoren aus Speisefettsäuren (zum Beispiel E 471, Mono- und Diglyceride): Die Fettsäuren dafür stammen meistens aus Pflanzenölen wie Raps- oder Sonnenblumenöl, können aber auch aus Schweine- oder Rinderfett kommen. [7]
  • E 620 bis E 625 (Glutamate) und E 635 (Ribonucleotide): Geschmacksverstärker, die sowohl pflanzlich als auch tierisch gewonnen werden können. [6]
  • E 640 – Glycin: Kann aus Gelatine hergestellt werden. [6]
  • E 920 – L-Cystein: Ein Mehlbehandlungsmittel, das häufig aus Federn oder Borsten gewonnen wird. [6] Keine Sorge wegen deines Mehls zu Hause: Eingesetzt wird L-Cystein vor allem in Mehl und Backmischungen, die an Bäckereien geliefert werden, damit sich der Teig besser verarbeiten lässt. Ob es beim fertigen Brot auf der Zutatenliste stehen muss, ist rechtlich umstritten. In Bio-Backwaren ist L-Cystein dagegen verboten, und das ist eine ganz einfache Faustregel für deinen Einkauf. [4]

Beim Stöbern durch Zutatenlisten stolperst du wahrscheinlich auch über E 270 – Milchsäure. Hier kann ich dich beruhigen: Trotz ihres Namens hat sie mit Kuhmilch nichts zu tun.

Milchsäure entsteht, wenn Mikroorganismen, vor allem Milchsäurebakterien, zucker- oder stärkehaltige Lebensmittel fermentieren. Die Bakterien „fressen“ den Zucker und wandeln ihn dabei in Milchsäure um. Industriell wird sie heute fast ausschließlich so aus pflanzlichen Rohstoffen wie Zucker oder Stärke gewonnen. [6] Das Prinzip kennst du übrigens aus deiner eigenen Küche: Genau dieser Vorgang macht Sauerkraut sauer und gibt Sauerteigbrot sein typisch mildes, leicht säuerliches Aroma.

Auch der Hinweis „kann Spuren von Milch oder Ei enthalten“ macht ein Produkt nicht unvegan. Er dient als Absicherung für Allergiker:innen, weil im selben Betrieb auch andere Produkte hergestellt werden. [6]

“

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.

Tierisch, aber ganz ohne E-Nummer

Manche tierischen Bestandteile tauchen gar nicht als E-Nummer auf. Zwei Beispiele, die mich damals besonders überrascht haben:

  • Vitamin D3: Es wird häufig aus Lanolin hergestellt, einem Wollfett aus den Talgdrüsen von Schafen. Inzwischen gibt es aber auch veganes Vitamin D3, das aus Flechten gewonnen wird. [9] Gerade bei angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln lohnt sich deshalb der Blick aufs Kleingedruckte.
  • Klärungsmittel in Wein und Saft: Um Wein oder Saft zu klären, werden oft Hühnereiweiß, Gelatine oder Fischblase verwendet, die im fertigen Getränk nicht angegeben werden müssen. Naturtrüber Apfelsaft ist dagegen immer vegan. [5] Wie du vegane Weine und Biere erkennst, habe ich dir übrigens in meinem Artikel Warum Wein, Bier & Co. nicht automatisch vegan sind ausführlich erklärt.

Das Thema Vitamin D ist auch der Grund, warum ich bei Nahrungsergänzung besonders genau auf die Herkunft der Inhaltsstoffe achte. Ich selbst nehme die Vitamin D3 K2 Tropfen von NATURTREU: Das Vitamin D3 darin wird aus Flechten gewonnen, also ganz ohne Schafwolle. Und für Omega-3, das viele automatisch mit Fischöl verbinden, nehme ich die RINGANA BEYOND omega: Die veganen Kapseln liefern DHA und EPA aus Mikroalgen. Warum Omega-3 gerade bei pflanzlicher Ernährung ein Thema ist, liest du in meinem Artikel über pflanzliches Omega-3.

Auch außerhalb der Küche lohnt sich ein zweiter Blick

Versteckte tierische Inhaltsstoffe gibt es nicht nur im Essen. In Kosmetik findest du zum Beispiel Bienenwachs (auf der Packung oft als „Cera Alba“ angegeben), Seidenproteine oder Karmin. [10] Achte deshalb auch bei Pflegeprodukten auf ein veganes Siegel oder frag im Zweifel direkt bei der Marke nach.

Selbst bei Kerzen kann Tierisches drinstecken. Neben Bienenwachs wird auch Stearin manchmal aus Rindertalg hergestellt. [11] Eine schöne Alternative sind Kerzen aus Raps- oder Sojawachs. Im Avocadostore kannst du die Duftkerzen direkt nach „vegan“ filtern und findest so ganz ohne langes Suchen eine schöne Auswahl.

Eine Frau die sich den linken Oberarm eincremt.

So erkennst und vermeidest du versteckte tierische Zutaten

Du musst nicht jede E-Nummer auswendig lernen. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten wird der vegane Einkauf ganz schnell zur Routine:

  1. Auf vegane Labels achten: Am verlässlichsten ist ein anerkanntes Siegel wie das V-Label, das in Österreich von der Veganen Gesellschaft Österreich vergeben wird. [5] Für die vegane Variante dürfen weder tierische Zutaten noch Zusatzstoffe, Verarbeitungshilfsstoffe, Trägerstoffe, Aromen oder Enzyme verwendet werden. [4]
  2. Kurze Zutatenlisten bevorzugen: Je weniger verarbeitet ein Produkt ist, desto weniger Zusatzstoffe stecken meist drin. Auch bei Bio-Lebensmitteln sind deutlich weniger Zusatzstoffe erlaubt, nämlich 56 statt rund 320. [3] Automatisch vegan ist Bio aber nicht.
  3. Alternativen kennen: Statt Bienenwachs oder Schellack wird für den Glanz oft pflanzliches Carnaubawachs (E 903) verwendet. Ein schönes Beispiel sind die Bärenfamily Bio-Fruchtgummis von El Puente: Sie sind mit Pektin statt Gelatine gemacht und mit Carnaubawachs überzogen.
  4. Einfach nachfragen: Wenn du dir bei einem Produkt ohne Label unsicher bist, schreib dem Hersteller eine kurze Nachricht. Das ist ganz normal und oft die schnellste Lösung. [4]

Apps, die dir beim Entschlüsseln helfen

Wenn du unterwegs schnell Gewissheit willst, sind Scanner-Apps echte Alltagshelfer:

  • CodeCheck: Du scannst einfach den Barcode oder suchst nach dem Produktnamen, und die App zeigt dir mit einem Vegan-Filter oder Warnhinweis an, ob ein Produkt vegan ist. Das funktioniert für Lebensmittel und Kosmetik, auf dem Smartphone und im Browser. [10] Für die Vollversion brauchst du allerdings ein Abo. [6]
  • Open Food Facts: Ein gemeinnütziges Projekt, das von Freiwilligen aus der ganzen Welt getragen wird. Die kostenlose App erkennt, ob ein Produkt vegan oder vegetarisch ist oder Palmöl enthält. Weil die Daten von der Community stammen, sind sie aber nicht immer zu 100 % korrekt. Ein kurzer Blick auf die Verpackung bleibt also wichtig. [12] Für Kosmetik gibt es mit Open Beauty Facts sogar eine eigene Schwester-App. [13]

Mein Fazit

Versteckte tierische Zutaten sind kein Grund, beim Einkaufen zu verzweifeln. Die wirklich eindeutigen E-Nummern kannst du dir schnell merken, bei allen anderen helfen dir Labels, Apps oder eine kurze Nachfrage. Und ganz ehrlich: Niemand ist perfekt. Wenn dir mal etwas durchrutscht, ist das kein Weltuntergang, sondern einfach ein weiterer Lernschritt auf deinem veganen Weg.

Mach dir das Leben leicht: Speicher dir diesen Artikel oder mach einen Screenshot der Listen, dann hast du deinen Spickzettel beim nächsten Einkauf immer dabei. Welche versteckte Zutat hat dich am meisten überrascht? Schreib es mir gern in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht auf Instagram unter @veganwithgreentrinsic.

Disclaimer: Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultiere bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt deines Vertrauens! Greentrinsic übernehmt keine Haftung für Unannehmlichkeiten oder Schäden, die sich aus der Anwendung der hier dargestellten Information ergeben.

Quellen:

  1. Welche Klassen von Lebensmittelzusatzstoffen gibt es?, (https://www.oesterreich-isst-informiert.at/lebensmittel/welche-klassen-von-lebensmittelzusatzstoffen-gibt-es/)
  2. Lebensmittelzusatzstoffe – AGES, (https://www.ages.at/mensch/ernaehrung-lebensmittel/lebensmittelinformationen/zusatzstoffe)
  3. Zusatzstoffe in Lebensmitteln erkennen und einordnen, (https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/ernaehrung-fuer-seniorinnen/zusatzstoffe-in-lebensmitteln-erkennen-und-einordnen-48872)
  4. Vegetarische und vegane Lebensmittel erkennen: Worauf muss ich achten?, (https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/vegetarische-und-vegane-lebensmittel-erkennen-worauf-muss-ich-achten-68457)
  5. V-Label: Kennzeichnung veganer Produkte, (https://www.forum-ernaehrung.at/lebensstil/artikel/v-labelling-kennzeichnung-veganer-produkte)
  6. Vegane Zusatzstoffe erkennen: E-Nummern und Zutatenlisten im Überblick, (https://www.veganblatt.com/a/ist-das-vegan)
  7. E-Nummern – Swissveg, (https://www.swissveg.ch/de/e-nummern)
  8. So erkennen Sie vegetarische und vegane Lebensmittel, (https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/so-erkennen-sie-vegetarische-und-vegane-lebensmittel-68457)
  9. Wie werden Vitamin D-Präparate hergestellt?, (https://www.foodunfolded.com/de/artikel/wie-werden-vitamin-d-praeparate-hergestellt)
  10. CodeCheck – Vegan, (https://www.codecheck.info/info/vegan)
  11. Nachhaltige Bio-Kerzen ohne Schadstoffe, Paraffin & Co., (https://utopia.de/ratgeber/einkaufsratgeber-kerzen_16258/)
  12. Open Food Facts – Apps bei Google Play, (https://play.google.com/store/apps/details?id=org.openfoodfacts.scanner&hl=de)
  13. Open Food Facts mobile app, (https://world.openfoodfacts.org/open-food-facts-mobile-app)
Bild von Barbara Jasmin
Barbara Jasmin

Dipl. vegane Ernährungstrainerin, BA, MA (Bachelor & Master of Arts in Business, Salzburg University of Applied Sciences)

Auf meinem Blog teile ich Tipps für mehr Wohlbefinden, gesunde und nachhaltige Ernährung und meine Erfahrungen mit RINGANA. Mein Ziel: fundiertes Wissen weiterzugeben, das inspiriert und Vertrauen schafft.

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